THEATER

THESPIS 1. internationales Monodrama Festival

(18.Oktober 1999)

Oma Porat: Ein Liebesbrief von Fernando Arrabal

Die israelische Schauspielerin Orna zog das Publikum mit Arrabals Mutter-Sohn-Geschichte in ihren Bann.

Achterbahn der Gefühle

Einsamkeit ist mehr als allein auf der Bühne zu stehen.Es ist die Abwesenheit derer, deren Stirmmen man hört,deren Briefe und Fotografien überall herumliegen. Und es ist der Ausdruck in den Augen, verklärt und zärtlich in glücklicher Erinnerung oder tränenumflort. verzweifelt, resigniert. Selbst wer kein Wort hebräisch verstand und das wird die Mehrheit derer gewesen sein, die Orna Parat auf der Studiobühne am Freitag begeistert applaudierten, konnte mit dem eindringlichen, dichten Spiel der Schauspielerin aus Israel Höhen und Tiefen der Erinnnerung durchleiden. Ein Liebesbrief von Fermnando Arrabal (Regie: Itzik Weingarten), das sind Erinnerungen einer Mutter an ihren Sohn, der sich von ihr abwandte, weil er glaubt, sie habe den Vater während der Franco-Diktatur verraten. Mit sanftem Nachdruck zieht Orna Porat ihr Publikum hinein in eine Achterbahn der Gefühle. Unbarmherzig ist diese Fahrt vorbei an all den Schubladen voller Briefe, Fotos und Kinderkleider. Einige zerrt sie hervor. fingert in ,fahriger Geschäftigkeit an Papieren und Stoffen, wühlt und kramt, schwärmt und weint. Schnell wie an der Grenze zum Irrsinn wechseln die Stimmungen. Glücklich sind die Momente. wenn aus dem Off das Kind zu ihr spricht. Leicht wie eine Feder springt sie auf zu heiterer Musik. Und dann ist wieder alles vorbei. Die traurigen Bilder gewinnen Überhand. Die Stimme des erwachsenen Sohnes klagt an, bedrohlich wird die Musik. Dann ist alles Elend, da sackt sie in sich zusammen, wird wieder zur alten, gebrochenen Frau, die sich wie ein verängstigtes Kind zurückzieht in die vermeintliche Sicherheit des kalten Bettes.

SABINE THOLUND